correctiv hat Daten für Grundwasseratlas ausgewertet

LUH-Forschende empfehlen bessere Nutzung des Regenwassers in den Städten

Erstmals liefert das Recherchemagazin CORRECTIV mit einer interaktiven Karte einen Überblick, wo in Deutschland das Grundwasser seit 1990 sinkt, gleich bleibt oder steigt. Verantwortlich für die extremen Trends sind vor allem Industrie und Trinkwasserförderung. In der Region Hannover gibt es nördlich vom Steinhuder Meer zwei Messstellen mit "stark sinkenden" Grundwasserspiegeln, für die Stadt Hannover liegen keine Messwerte vor. Die grafische Darstellung vom Grundwasserkreislauf ist dem ausführlichen Report entnommen, den correctiv heute (26.Oktober 2022) veröffentlicht hat.

Dieses Schaubild zeigt den natürlichen Kreislauf vom Niederschlag bis zur Grundwasserbildung. (von correctiv, Lydia Salzer)

Das Kanalnetz in Hannover ist 2500 Kilometer lang, also so weit wie die Strecke nach Lissabon. Diesen Vergleich zieht das Stadtentwässerungsamt in einer der ausführlichen Informationen über den Umgang mit Schmutz- und Regenwasser in der Region. Wasser wird in Zeiten der aktuellen Klimakatastrophe zu einem bedeutenden Gut, und Regen ist eigentlich viel zu wertvoll, um ihn zu einem großen Teil in die Kläranlagen zu leiten. Wissenschaftler der Leibniz Universität arbeiten deshalb am Konzept für eine neuartige "Schwammstadt." Regen soll besser gespeichert werden.

Zitat aus der Mitteilung der LUH vom 1. September 2022:

Extreme Dürre und Hitze prägen den Sommer. Versiegelte Flächen und Gebäude speichern die Wärme und machen die Städte zu Hitzeinseln. Regenwasser, das zur Stadtkühlung beitragen könnte, wird als Abwasser abgeleitet oder verdunstet und versickert vielerorts ungenutzt. „Eine weitere Absicherung der städtischen Wasserversorgung ist dringend geboten, da der Wasserbedarf in den Städten in den nächsten Jahren spürbar steigen wird“, erklärt Prof. Dr. Stephan Köster, Institut für Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik (ISAH) an der Leibniz Universität Hannover. Ein Mehrbedarf an Wasser entsteht z.B. bei der Bewässerung von Bäumen, Parks und weiterem Stadtgrün, der Speisung urbaner Gewässer oder der Vernebelung von Wasser in Innenstadtlagen als aktiver Hitzeschutz.

Das Schaubild zeigt, wie Regen- und Schmutzwasser durch getrennte Kanäle geleitet werden und Regenwasser nicht nur separat abfließen sondern auch in den Untergrund einsickern soll, um das Konzept "Schwammstadt" umzusetzen. (Infografik aus der Pressemitteilung der Leibniz Universität)

Das Prinzip einer Schwammstadt bedeutet einen völlig neuen Umgang mit Wasser in der Stadt und dies in Synergie zu weiteren Zielen ihrer Klimaanpassung. Bei einer Schwammstadt versickert das Regenwasser nicht ungenutzt oder landet im Abwasser, sondern es wird aufgefangen und gespeichert – eben wie in einem Schwamm. Das aufgefangene Wasser könnte – auch in Dürreperioden – Grünflächen und urbane Gewässer versorgen, die sogenannten blau-grünen Elemente einer Stadt.

Hinzu kämen Teilstrecken mit einer Versickerungsfunktion, um den Boden feucht zu halten und das Grundwasser unter der Stadt anzureichern. Darüber hinaus trägt der Schwammstadtansatz dazu bei, die Folgen von Starkregenereignissen spürbar abzumildern, indem das Wasserrückhaltevermögen durch die blau-grünen Infrastrukturen an der städtischen Oberfläche erheblich erhöht und somit das Kanalnetz entlastet wird.

Prof. Dr.-Ing. Stephan Köster und Dr.-Ing. Maike Beier (ISAH) haben ein innovatives Konzept zur Regenwasserbewirtschaftung in der Schwammstadt mit intelligenter Bewirtschaftung der Wassermengen und -bedarfe entwickelt. Es sieht vor, neben der Trinkwasserversorgung eine aus der Schwammstadt generierte komplementäre Versorgung mit so genanntem „Stadtwasser“ umzusetzen. Unverschmutzter bzw. gering verschmutzter Niederschlag wird dabei im städtischen Schwamm gespeichert, während verschmutzter Niederschlag unter Nutzung der heute bereits vorhandenen Entwässerungsinfrastruktur abgeleitet und auf einer Kläranlage behandelt wird. Das gespeicherte Wasser kann – abgesichert durch eine einfache dezentrale Aufbereitung in so genannten City Water Hubs - in unterschiedlichen Qualitäten als Stadtwasser abgegeben werden und wird dort eingesetzt, wo Trinkwasserqualität nicht erforderlich ist bzw. kein Trinkwasser zum Einsatz kommen soll. Bei der Aufbereitung sollen niedrigenergetische Technologien sowie regenerative Energien zum Einsatz kommen.

Der Ansatz des ISAH-Teams geht damit einen deutlichen Schritt weiter als bisherige Schwammstadtkonzepte, da mit dem Stadtwasser-Konzept konsequent ein neuer, qualitätsorientierter Ansatz bei der Niederschlagsbewirtschaftung und eine komplementäre dezentrale Wasserversorgungskomponente eingeführt werden. So lässt sich das Wasserangebot in der Stadt bei zeitgleicher Entlastung der Trinkwasserversorgung erhöhen. Zeitgleich werden die Qualität der städtischen Abwasserentsorgung und die städtische Überflutungsvorsorge verbessert.

Diese Grafik zeigt, wie die Entwässerung von Regen- und Schmutzwasser in einem Mischsystem funktioniert. In Hannover gibt es noch mehr als zehn Prozent der unterirdischen Kanäle, die Wasser mit unterschiedlichem Verschmutzungsgrad vermischen. (Schaubild aus den Informationen des Stadtentwässerungsamtes)

Link auf Informationen des Stadtentwässerungsamtes Hannover

Link auf interaktive Karte von correctiv

Link auf Grundwasser-Report von correctiv