Mitteilung — Stadtbibliothek und eigener Bericht vom 1.07.22

Logo kennzeichnet Zufluchtsort für Kinder in Problemlagen

Die Nordstadtbibliothek am Engelbosteler Damm 57 beteiligt sich am Projekt "Kinderschutzinseln." Am Eingang hängt das Logo aus, mit dem für Kinder sichtbar wird, dass sie hier Beistand erwarten können.

Die Jugendämter in Deutschland haben im Jahr 2020 bei fast 60 600 Kindern und Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung festgestellt. Das waren rund 5 000 Fälle oder neun Prozent mehr als 2019. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, haben die Kindeswohlgefährdungen damit im Corona-Jahr 2020 den höchsten Stand seit Einführung der Statistik im Jahr 2012 erreicht. Ein Bündnis zum Schutz von Kindern will vom 1.Juli an dazu beitragen, dass Kinder in Hannover einfachen Zugang zur Hilfe in Notlagen finden können.

Zitat aus Mitteilung:

Die Stadtbibliothek Hannover und elf ihrer Einrichtungen in den Stadtteilen sind jetzt Anlaufpunkte für Kinder, die sich in Problemlagen befinden. Die Stadtbibliothek beteiligt sich an dem Projekt der Kinderschutzinseln. Dabei handelt es sich um eine Initiative der Kinderschutzallianz, einem Bündnis zum Schutz von Kindern im digitalen und nichtdigitalen Leben vor sexualisierter Gewalt.

Kinderschutzinseln sind Geschäfte, Betriebe oder sonstige Einrichtungen. Sie sind durch einen markanten Aufkleber im Eingangsbereich des jeweiligen Objektes als Partner für Kinder erkennbar. Sie stellen ihre Objekte als Zufluchtsort für Kinder in Problemlagen zur Verfügung. Es geht darum, Kindern im Alltag zur Seite zu stehen. Der Kinderschutzinsel-Aufkleber drückt aus, dass sich die Mitarbeitenden in den teilnehmenden Inseln aktiv zur Zivilcourage und zur Hilfeleistung bekennen.

„Mit der Beteiligung am Projekt will die Stadtbibliothek Hannover aktiv helfen, ein sicheres Umfeld für die Kinder im Stadtgebiet zu schaffen. Die Mitarbeitenden in den Inseln sind darauf vorbereitet, Schutzsuchende zu unterstützen. Sie kennen die Möglichkeiten aber auch die Grenzen ihres Handelns“, betont der Leiter der Stadtbibliothek, Prof. Dr. Tom Becker.

Prof. Dr. Tom Becker, Direktor der Stadtbibliothek Hannover, Claudia Müller, Leiterin der Kinder- / Jugendbibliothek Südstadt und Moritz Meyer, Kinderschutzallianz Geschäftsstelle, c/o Nds. Ministerium für Inneres und Sport (von links) präsentieren das Logo. Aufnahme: Stadtverwaltung

Der Idee der Kinderschutzinseln liegt die Erfahrung zugrunde, dass Kinder trotz der Bemühungen von Eltern, Schule, in der Nachmittagsbetreuung und in diversen anderen Einrichtungen in Situationen kommen können, die sie einschüchtern oder ihnen Angst machen. Hier setzen die Kinderschutzinseln an und bieten ein niederschwelliges Hilfsangebot. Die Inseln sollen Kinder unterstützen, die den Herausforderungen der eigenständigen Teilnahme am öffentlichen Leben in Einzelfällen nicht gewachsen sind.

Seit dem 1. Juli sind die Zentralbibliothek sowie elf Stadtteilbibliotheken sichtbar am Eingang mit einem Kinderschutzinsel-Aufkleber gekennzeichnet.


Zeit Online berichtete am 28.12.2021 über eine neue Kinderschutzhotline und nannte diese Zahlen: "Bundesweit prüften die Jugendämter im Jahr 2020 etwa 194.500 Verdachtsmeldungen auf eine Gefährdungseinschätzung. Knapp jeder dritte Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung wurde später durch die Jugendämter bestätigt. Die Dunkelziffer ist riesig, sagen eigentlich alle, die in dem Bereich tätig sind." Weiter heißt es: "Alle, die professionell mit Kindern zu tun haben, können bei einem Verdacht auf Gewalt die medizinische Kinderschutzhotline anrufen – rund um die Uhr. Die Hotline wurde 2016 eingerichtet. Das Projekt entstand an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Ulm und wird vom Bundesfamilienministerium gefördert. Die Hotline verzeichnet etwa 1.000 Anrufe pro Jahr von Angehörigen von Heilberufen, die sich unter der Rufnummer 0800/1921000 Rat eingeholt haben, Tendenz steigend."

Der Deutsche Kinderschutzbund veröffentlicht im Internet zwei "Nummern gegen Kummer": Kinder und Jugendliche können die 116 111 wählen, das Elterntelefon ist unter der Nummer 0800 1110550 erreichbar.


Linkliste: Statistisches Bundesamt -- Zeit Online: Polizei erfasst mehr Darstellungen von Kindesmissbrauch -- Zeit Online zum Thema Kinderschutzhotline -- Kinderschutzbund