Zwei Wissenschaftler stellen Theorien zur Finanzierung des Grundeinkommens vor

Boden und Arbeit: Wo der Markt versagt

Die Wissenschaftler André Presse und Ulrich Schachtschneider haben bei der BGE-OPEN in Göttingen Forschungsergebnisse und Theorien über die Finanzierung des Grundeinkommens erklärt. Presse bevorzugt den Weg zur „Konsumsteuer“, die einheitlich auf Produkte und Dienstleistungen erhoben werden soll und nach und nach alle offenen und versteckten Steuern und Sozialabgaben ersetzt. Er hält es für erforderlich, Wirtschaftswissenschaft „neu zu denken.“ Schachtschneider plädiert  auf dem Weg zum Grundeinkommen eher dafür, ökologische Stellschrauben zu drehen. Er nennt es eine „sozialökonomische Transformation“. Presse ist ein Schüler von Götz Werner, der seine Doktorarbeit zum Grundeinkommen betreut hat. Nach seiner Meinung dürfen Boden und Arbeit nicht als auf dem Markt handelbare Werte gesehen werden – Boden weil er nicht vom Menschen hergestellt und beliebig vermehrt werden kann, und Arbeit sowieso nicht, die übrigens „rechtshistorisch nach dem Mietrecht für Sklaven“ geregelt sei. Eine öffentliche Debatte über das Bodenrecht, hat die Süddeutsche Zeitung in der Ausgabe am 1. September 2017 angeregt. Die Autorin Laura Weissmüller zitiert aus „einem schlanken Aufsatz“ des vormaligen Münchner Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel, der schon 1972 entschieden für die Besteuerung von Boden eingetreten ist. „Als Bewusstseinswandel ist es vielleicht nur vergleichbar mit der Ächtung der Sklaverei“, heißt es in dem Zeitungsartikel zur Umsteuerung der Bodenpolitik mit der in vielerlei Hinsicht treffenden Überschrift: „Mit Füßen getreten.“

NICHTS IST ERFOLGREICHER ALS DER ERFOLG

Diskurs über Wirtschaftsdemokratie : „Kein Gegensatz zur Marktwirtschaft“

Wer in der Schule lernt, was Demokratie ist (oder sein soll), wird im Arbeitsleben sehr schnell und etwas irritiert lernen, dass die Schule nicht direkt auf das folgende Leben vorbereitet. Wir leben in einer Art Demokratie, bis zum Firmentor, dann herrscht die Hierarchie. Wer nun meint, dass das so nicht weiter geht, weil es nicht gut geht, und dann noch glaubt, dass Demokratie wirklich geeignet ist, die Würde jedes Menschen als unantastbar auch am Arbeitsplatz zu wahren, der findet die Demokratisierung der Wirtschaft wohl gut. Der glaubt dann auch, dass die entscheidenden Mängel der sonst so effektiven kapitalistischen Wirtschaftsform mit dem demokratischen Fortschritt besiegt werden können. Ich glaube das auch, aber wie soll das gehen?

Mit dem Merksatz „Gleiches Recht für Alle“, der die demokratische Gesellschaft kennzeichnet wie kaum ein anderer Grundsatz, lässt sich die Wirtschaft nur sehr bedingt erfolgreich organisieren. Diskurs über Wirtschaftsdemokratie : „Kein Gegensatz zur Marktwirtschaft“ weiterlesen

Wie der Kapitalismus zivilisiert werden sollte

Märkte sind für soziale und ökologische Fragen blind, stellt Dierk Hirschel fest, Chefökonom des Deutschen Gewerkschaftsbundes, aber „wir können die Funktion der Märkte nicht ersetzen.“ Zur Überwindung der gegenwärtigen Wirtschaftskrise stelle sich also nicht die Systemfrage. Die Herausforderung bestehe vielmehr darin, den Kapitalismus zu zivilisieren. Dazu hat Hirschel beim „Science-Day“ der Kooperationsstelle Hochschule und Gewerkschaften Hannover-Hildesheim seine Analyse begründet und „Wege aus der Krise“ (Motto der Veranstaltung) gezeichnet. Im zweiten Vortrag referierte Nico Paech von der Universität Oldenburg über „Nachhaltiges Wirtschaften als Zukunftsaufgabe.“ Wie der Kapitalismus zivilisiert werden sollte weiterlesen

Verteilungspolitik ist Friedenspolitik

Die Drohungen, die über unserem Lebensalltag schweben, sind fast unbegreiflich. Für viele von uns spielt sich die Wirtschaftskrise vorwiegend in den Nachrichten und Kommentaren ab. Wir, die wir kaum Vermögen haben, das sich bei Lehmann und seinen Brüdern in Nichts auflösen kann, verlieren schlimmstenfalls den Arbeitsplatz – aber an diese Sorge sind wir seit den achtziger Jahren gewöhnt. Eben seit sich hier und auf der ganzen Welt die Ideologie durchgesetzt hat, dass nur mit Wachstum der Wirtschaft und vor allem der Gewinne alles gut wird. Kaum einer von denen, die diese Ideologie vertreten, gibt zu, dass genau dieses Denken die Ursache der Krise ist. Verteilungspolitik ist Friedenspolitik weiterlesen