...WER NICHT WILL, FINDET GRÜNDE.

ZDF-Zoom: Sorgenvoller Blick auf unredliche Absichten

Das Grundeinkommen wird immer mehr zum Thema der politischen Debatte. Das wirkt sich auf die führenden Medien aus, von denen einige gründlich (Süddeutsche Zeitung) oder schlaglichtartig (ZDF), auf jeden Fall aber ernsthaft das Thema beleuchten.  „ZDFzoom“ Reporter Ulrike Brödermann und Halim Hosny haben am 13. September kurz vor Mitternacht für eine halbe Stunde die Kameras auf Beispiele und Meinungen gerichtet. Ihr Fazit: Die Sache sieht höchst gefährlich aus, der Sozialstaat könnte schwer darunter leiden.

Sie haben recht, aber sie haben nur einen Ausschnitt betrachtet. Die Sorgen zum Beispiel des zitierten Wissenschaftlers Christoph Butterwegge sind nachvollziehbar, wenn seine Prämissen stimmen würden. Wer glaubt, dass alle Leute einfach 1000 Euro kriegen mit der Ansage, nun sieh mal zu, wie Du Wohnung, Essen, Bildung, Gesunderhaltung, Mobilität, Altersvorsorge, Kultur, Sport und was sonst zur Lebensgestaltung gehören kann, davon bezahlst, der sieht im bedingungslosen Grundeinkommen zu recht eine Mogelpackung. Wer davon ausgeht, dass das soziale Netz schlank ersetzt wird, ohne auf die individuellen Bedürfnisse von Menschen in Not einzugehen, der verbindet mit dem Ruf nach Grundeinkommen höchst unredliche Motive.

Aber darum geht es ja für alle Befürworter, die sich sowohl um den künftigen Sozialstaat als auch um die Zukunft der Wirtschaft in Zeiten digitaler Revolution Gedanken machen. Sie wollen aktiv für das Gesamtergebnis sein und nicht das Feld denen überlassen, die wieder nur Teillösungen zugunsten partieller Interessen – etwa der profitorientierten Konsumgesellschaft –  anstreben. Sie werden die Gesellschaft so gestalten wollen, dass das Grundeinkommen zum Vorteil für alle Menschen gereicht, vorrangig aber für Menschen ohne Kapitalvermögen.

Wer daran arbeiten will, dieses Ziel zu erreichen, muss sicherlich die im „Zoom“ zitierten Sorgen anhören und ernst nehmen. Wer die einzelnen Ausschnitte betrachtet, die zum ganzen Bild gehören, sollte aber einen Kompass haben, damit er die Richtung auf dem Weg zum erklärten Ziel nicht verliert. Und vielleicht Götz Werners Worte wissen: wer will, findet Wege, wer nicht will findet Gründe.

Dazu passt dieses Zitat aus der Süddeutschen Zeitung, 5. August 2017:

Das bedingungslose Grundeinkommen gibt es noch nicht, weil wir es noch nicht wollen. Und solange wir es noch nicht wollen, würde es auch nicht funktionieren. Doch sollten wir es früher oder später einmal wollen, können wir es auch. Dagegen spricht nichts. Weder seine Finanzierung noch die Faulheit der anderen.

Der Autor Philip Kovce, 30, Ökonom und Philosoph, forscht am Basler Philosophicum und gehört dem Think Tank 30 des Club of Rome an.

Veröffentlicht von

Bernd

Jahrgang 1948, verheiratet, keine Kinder; Ehrenämter als Jugend-Fussballtrainer (vor 1975) und Gewerkschafter in der IG Medien und in ver.di, als Präsidiumsmitglied in der Gründungsphase von 2000 bis 2006 in Niedersachsen/Bremen. Rentner seit 2005, zuvor Berufserfahrung als Vollzeit-Betriebsrat im Zeitungsverlag, als Lokalredakteur im selben Verlag, und -vor 1974- als Bühnenmaschinist bei Staatstheater Hannover, Waldarbeiter, Milchauslieferer (morgens von 4 bis 10 Uhr), Minicarfahrer, Autoverkäufer, davor Lehre als Industriekaufmann bei der Hanomag in Hannover, davor Mittlere Reife an der Gerhart-Hauptmann-Schule, während der Schulzeit Kinderarbeit im Kiosk der Mutter (Jahrgang 1927), die alleinerziehend vier Kinder großgezogen hat - mit Hilfe ihrer Mutter (Jahrgang 1898), die in zwei Kriegen traumatisiert worden ist.

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