Finanztip der Woche:

Sparen statt Autofahren

Der Newsletter "Finanztip" (Nr. 41 / 13. Oktober 2017) empfiehlt unter anderem das Feilschen mit dem Internetanbieter oder der Bank, weist Studenten auf Spartipps hin, informiert ausführlich über günstiges Telefonieren ins Ausland. Das Autorenteam steht unter der Leitung des ehemaligen Chefredakteurs der Zeitschrift "Finanztest" der Stiftung Warentest, Hermann-Josef Tenhagen. Eindrucksvoll die Zahl der Woche am Ende des Newsletters: "130.000 Euro können Sie im Laufe Ihres Lebens sparen, wenn Sie sich kein Auto anschaffen. Kosten für Bahn, Taxi und Mietwagen schon abgezogen." Damit zitiert Finanztip einen Beitrag des WDR-Wissenschaftsmagazins Quarks.

 

 

Konzept für den Weg zu einem Volksentscheid über das bedingungslose Grundeinkommen

Grundeinkommen: Wir sind alle gleich gute Experten

Ob das Grundeinkommen für alle und ohne Vorbedingung geeignet ist, künftige soziale und wirtschaftliche Probleme in einer demokratischen Gesellschaft zu lösen, ist eine umstrittene Frage. Das kann auch gar nicht anders sein, und die übliche spontane Antwort ist sehr individuell abhängig von einem Gefühl, auch vom persönlichen Menschenbild: Was traue ich der Person neben mir zu, wenn sie ohne Not selbstbestimmt ihren Lebensunterhalt bestreiten kann? Wird sie an das Gemeinwohl denken oder vorwiegend egoistisch handeln?
Schon diese Fragen zeigen die Dimension des Themas. Mit dem Grundeinkommen würde es eine völlig veränderte soziale, kulturelle, wirtschaftliche und politische Gesellschaft geben können.

Sollen wir das wirklich wollen? Grundeinkommen: Wir sind alle gleich gute Experten weiterlesen

„Ein polarisiertes Land kann auf die Dauer nicht erfolgreich sein“

Wissenschaftler des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung (die den Gewerkschaften nahesteht) haben den Stand der ungleichen Verteilung von Einkommen und Vermögen in Deutschland untersucht – und bewertet. Sie schlagen politische Veränderungen vor mit dem Ziel, vermögende Teile der Bevölkerung stärker an den Kosten für staatliche Aufgaben zu beteiligen, mit geeigneten Massnahmen „die Mitte“ zu stärken und die Armut zu bekämpfen. (Ausführliche Pressemitteilung hier) „Ein polarisiertes Land kann auf die Dauer nicht erfolgreich sein“ weiterlesen

„Es fehlt uns heute an Visionen“

Die Süddeutsche Zeitung veröffentlicht auf ihrem online-Angebot heute das von Luise Checcin geführte Interview mit niederländischen Historiker Rutger Bregman zum Thema „Utopien für Realisten“, so heißt das neue Buch des 29jährigen.  Er vertritt unter anderem die Meinung, die Linken wüssten „nur, wogegen sie sind… aber man muss auch für etwas eintreten.“ Das gute Beispiel folgt: „Martin Luther King hat ja auch nicht gesagt ´ich hatte einen Albtraum`, er hatte einen Traum.“ Bregman tritt seit mehreren Jahren für das bedingungslose Grundeinkommen ein.

...WER NICHT WILL, FINDET GRÜNDE.

ZDF-Zoom: Sorgenvoller Blick auf unredliche Absichten

Das Grundeinkommen wird immer mehr zum Thema der politischen Debatte. Das wirkt sich auf die führenden Medien aus, von denen einige gründlich (Süddeutsche Zeitung) oder schlaglichtartig (ZDF), auf jeden Fall aber ernsthaft das Thema beleuchten.  „ZDFzoom“ Reporter Ulrike Brödermann und Halim Hosny haben am 13. September kurz vor Mitternacht für eine halbe Stunde die Kameras auf Beispiele und Meinungen gerichtet. Ihr Fazit: Die Sache sieht höchst gefährlich aus, der Sozialstaat könnte schwer darunter leiden.

Sie haben recht, aber sie haben nur einen Ausschnitt betrachtet. ZDF-Zoom: Sorgenvoller Blick auf unredliche Absichten weiterlesen

KOPERNIKANISCHE ZEITENWENDE

Alles ist offen, nur das Eine nicht

BGE:Open ist der Name einer Reihe von Veranstaltungen, die die Partei Bündnis Grundeinkommen – BGE – gemeinsam mit Unterstützergruppen ausrichtet, voran dem Netzwerk Grundeinkommen. Fast alles ist ziemlich offen, der zeitliche Beginn und das Ende, die Reihenfolge der Experten (lauter Männer am Sonnabend und Sonntag), nur das Eine nicht: Alle wollen das Grundeinkommen und suchen den passenden Weg dahin. In Göttingen haben bis zu 100 Leute in der Freien Waldorfschule die Gelegenheit genutzt, einander persönlich und die Meinung der Anderen kennenzulernen; jedenfalls als Götz Werner seine Meinung dazu sagte, vorher und nachher schrumpfte die Teilnehmerzahl ungefähr auf die Hälfte. Der Buchautor und „Zahnpastaverkäufer“, wie er selbst gelegentlich seine frühere Rolle als außerordentlich erfolgreicher Gründer der Drogeriekette DM bezeichnet, ist seit mehr als einem Jahrzehnt hierzulande der prominenteste Befürworter der Umsteuerung der Wirtschaft – denn das steckt eigentlich hinter der Einführung des Grundeinkommens. Alles ist offen, nur das Eine nicht weiterlesen

Zwei Wissenschaftler stellen Theorien zur Finanzierung des Grundeinkommens vor

Boden und Arbeit: Wo der Markt versagt

Die Wissenschaftler André Presse und Ulrich Schachtschneider haben bei der BGE-OPEN in Göttingen Forschungsergebnisse und Theorien über die Finanzierung des Grundeinkommens erklärt. Presse bevorzugt den Weg zur „Konsumsteuer“, die einheitlich auf Produkte und Dienstleistungen erhoben werden soll und nach und nach alle offenen und versteckten Steuern und Sozialabgaben ersetzt. Er hält es für erforderlich, Wirtschaftswissenschaft „neu zu denken.“ Schachtschneider plädiert  auf dem Weg zum Grundeinkommen eher dafür, ökologische Stellschrauben zu drehen. Er nennt es eine „sozialökonomische Transformation“. Presse ist ein Schüler von Götz Werner, der seine Doktorarbeit zum Grundeinkommen betreut hat. Nach seiner Meinung dürfen Boden und Arbeit nicht als auf dem Markt handelbare Werte gesehen werden – Boden weil er nicht vom Menschen hergestellt und beliebig vermehrt werden kann, und Arbeit sowieso nicht, die übrigens „rechtshistorisch nach dem Mietrecht für Sklaven“ geregelt sei. Eine öffentliche Debatte über das Bodenrecht, hat die Süddeutsche Zeitung in der Ausgabe am 1. September 2017 angeregt. Die Autorin Laura Weissmüller zitiert aus „einem schlanken Aufsatz“ des vormaligen Münchner Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel, der schon 1972 entschieden für die Besteuerung von Boden eingetreten ist. „Als Bewusstseinswandel ist es vielleicht nur vergleichbar mit der Ächtung der Sklaverei“, heißt es in dem Zeitungsartikel zur Umsteuerung der Bodenpolitik mit der in vielerlei Hinsicht treffenden Überschrift: „Mit Füßen getreten.“

Ist Ungleichheit der Preis der Freiheit?

Süddeutsche Zeitung, 4.9.2017, Feuilleton, Interview von Andreas Zielcke mit Claus Offe, "einer der namhaftesten Forscher der Marktgesellschaft und ihrer sozialen Folgen, erklärt, warum Armut und Ungleichheit vor allem die Kontrolle über das eigene Leben betreffen. Offe lehrt politische Soziologie an der Hertie School of Governance in Berlin und als Gastprofessor an den Spitzenuniversitäten der USA von Stanford bis Princeton." Am Ende geht es um das Thema Grundeinkommen:

Selbst Mark Zuckerberg plädiert jetzt dafür, die Freiheit von Markteinsteigern sozial abzusichern. Auch nach Fehlversuchen müsse jeder neu starten können. Sein Lösungsvorschlag: ein garantiertes Grundeinkommen.

Damit reiht er sich ein in die Reihe der Befürworter, deren Lager inzwischen quer über alle traditionellen Frontlinien hinweg reicht von Sozialisten über mittelständische Unternehmer und auch Konzernchefs bis hin zu marktliberalen Ökonomen. Bekämpft wird die Idee von Teilen der Gewerkschaften. Mir leuchtet sehr ein, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen ein gewisses Maß an „fate control“ sichert – und sei es nur die Freiheit, zu unwürdigen Arbeits-und Lohnbedingungen Nein zu sagen. Aber das bedingungslose Grundeinkommen ist weder ein Allheilmittel, noch sind seine Finanzierung und seine Anreizwirkungen geklärt.

Was ist neu daran gegenüber der Arbeitslosenversicherung?

Neu ist, dass die Gewährung weder an die Bereitschaft zur Erwerbsbeteiligung noch an eine Bedürftigkeitsprüfung geknüpft ist. Das allein ist ein Riesensprung, weil der Anspruch nicht mehr armenrechtlich begründet wäre und auch nicht arbeitsrechtlich, sondern als Bürgerrecht.

Ist das ein Gerechtigkeits- oder ein Freiheitsgewinn?

Beides. Alle Lösungen der Daseinssicherung, die über den Arbeitsvertrag zu erreichen sind, werden wegen des zunehmenden Mangels an Arbeitsplätzen bei zugleich global steigendem Angebot an Arbeitskräften immer unrealistischer.

An den marktwirtschaftlichen Exzessen, die zu der wachsenden Ungleichheit führen, will diese Idee nicht rütteln, sie will nur einen Boden der Sicherheit einziehen.

„Nur“ ist gut! Der Kapitalismus ist ja darauf gegründet, dass die meisten für ihren Lebensunterhalt ein Lohnarbeitsverhältnis eingehen müssen. Mit dem „Boden“, der diesen Zwang lockert, wäre für die Entfaltungschancen jedes Einzelnen schon viel gewonnen. Für das dynamische Aushandeln von Freiheit würde ein bürgerrechtlicher Anspruch auf ein armutsvermeidendes Einkommen zweifellos helfen. Er verschafft Gegenmacht gegen Abhängigkeit.